Kurz gesagt: Die Teilfreistellung sorgt dafür, dass bei Fonds mit hohem Aktienanteil ein fester Prozentsatz der Erträge steuerfrei bleibt. Bei einem Aktienfonds im Depot sind das 30 % — nur die restlichen 70 % des Gewinns werden versteuert. Das ist eine pauschale Entschädigung dafür, dass der Fonds auf seiner Ebene bereits Steuern gezahlt hat.
Warum gibt es die Teilfreistellung?
Seit der Investmentsteuerreform 2018 zahlen Fonds auf bestimmte inländische Erträge (etwa Dividenden) schon selbst Steuern. Damit dieselben Erträge beim Anleger nicht ein zweites Mal voll besteuert werden, stellt der Staat pauschal einen Teil frei. Je höher der Aktienanteil des Fonds, desto höher die Freistellung.
Wie hoch ist die Teilfreistellung?
Die Sätze hängen vom Fondstyp und davon ab, ob du im Depot oder in einer Versicherung anlegst:
- Aktienfonds (mind. 51 % Aktien) im Depot: 30 %
- Aktienfonds innerhalb einer fondsgebundenen Versicherung: 15 %
- Mischfonds (mind. 25 % Aktien): 15 % im Depot
- Offene Immobilienfonds: 60 % (bzw. 80 % bei überwiegend ausländischen Immobilien)
Im Versicherungsmantel ist der Satz niedriger (15 % statt 30 %), weil die Police an anderer Stelle bereits steuerlich begünstigt ist — etwa durch die Steuerstundung in der Ansparphase und das Halbeinkünfteverfahren bei Auszahlung.
Ein Rechenbeispiel
Du hast mit einem Aktien-ETF im Depot 10.000 € Gewinn gemacht:
- 30 % Teilfreistellung → 3.000 € steuerfrei
- steuerpflichtig bleiben 7.000 €
- darauf rund 25 % Abgeltungsteuer (nach Sparer-Pauschbetrag) → ca. 1.750 € statt 2.500 €
Die Teilfreistellung senkt hier die Steuer um rund 750 €.
Was bedeutet das für den Vergleich ETF gegen Fondspolice?
Die Teilfreistellung wirkt auf beiden Seiten — im ETF-Depot mit 30 %, in der Fondspolice mit 15 %. Sie ist damit nur einer von mehreren Steuer-Effekten, die sich gegenseitig verschieben: höhere Freistellung im Depot gegen Steuerstundung und halben Satz im Mantel. Erst wenn man alle Effekte zusammen und mit den konkreten Kosten rechnet, zeigt sich, welcher Weg nach Steuern vorne liegt — und genau das ist der Zweck eines sauberen Nachsteuer-Vergleichs.
Verwandt: Vorabpauschale und Halbeinkünfteverfahren (12/62-Regel).
Dieser Beitrag erklärt allgemeine Grundlagen und ist keine Steuer- oder Anlageberatung. Maßgeblich sind die jeweils geltenden Gesetze und die Unterlagen deines Anbieters.